31st Mär2012

Von den Göttern oder: Die Zwei Euro Krise

by Fabian Eder

Betrachten wir das, worum es angeblich geht, gegenständlich. Dazu lenke ich Eure Aufmerksamkeit noch einmal auf die Zwei – Euro Münze, die ich schon erwähnt habe:

Gr 2euro

Da liegt also die Münze in meiner Hand und ich denke, dass es schon irre ist, eine griechische Münze, mit der ich in Österreich bezahlen kann, oder in Frankreich oder Deutschland. Wo diese Münzen überall herumkommen! In meinem Kopf entspinnt sich die Geschichte dieser Münze, wie sie wohl zu mir gekommen ist, vielleicht letzten Sommer in Areopolis, oder in Heraklion, oder vor wenigen Tagen in Wien, vielleicht am Naschmarkt beim Einkaufen, vielleicht in einem Kaffeehaus als Wechselgeld oder völlig profan hier in Agios Nikolaos – natürlich weiß ich es nicht.

Ich lasse meiner Phantasie freien Lauf und stelle mir vor, wie ich sie in Berlin einem Taxifahrer gebe, der damit bei einem türkischen Lebensmittelhändler Obst kauft. Der Lebensmittelhändler steckt sie ein, ohne sie weiter zu beachten und gibt sie später seinem Sohn, damit der sich ein Eis kaufen kann, auf der anderen Seite der Straße. Welche Sorten er wohl wählt? Ein türkischer Bub, der mit meiner griechischen 2 Euro Münze ein Eis in Berlin kauft. Der Gedanke hat was.

Mir gefallen diese Münzen ja, mit den zwei Metallen und dass man immer drauf schauen kann, woher sie kommen: da sitzt eine Frau auf einem Stier. Langsam versuche ich die kyrillischen Buchstaben zu entziffern. Schande, dass ich das nicht besser kann: E-U-R-O-P-A.

EUROPA!

Tochter des phönizischen Königs Agenor, auf die Zeus, der Lauser, ein Auge geworfen hatte und wegen der er sich in einen Stier verwandelt hat, um sich besser an sie heranschleichen zu können! Und Europa, mit ihren Freundinnen beim Baden, hat natürlich Vertrauen gefasst zu dem friedlichen und göttlich – schönen Stier, hat seine Hörner geschmückt und ist schließlich auf seinen Rücken gestiegen. Diesen Moment nutzte Zeus und entführte sie an einen einsamen Strand in Kreta. Dort gab er sich ihr zu erkennen, sie verliebten sich in einander und er zeugte ihr drei Söhne.

Ich fühle mich auch als ein Kind Europas. Lustiger Gedanke, dass ich von Zeus abstamme, gerade ich! Andererseits, wieso nicht? Und da fällt mir gleich noch etwas auf: es heißt folglich nicht DAS Europa, sondern DIE Europa, wie ja auch DIE Peloponnes, DIE Mani… – aber das ist ein anderes Problem.

Pompeiii Europa iFresco

Es ist gar kein anderes Problem! Die Gleichstellung zwischen Frau und Mann, die völlig logische Tatsache, dass gleiche Arbeit gleich entlohnt werden muss, hat sich ja noch immer nicht durchgesetzt. Wir setzen Initiativen und Quoten, Gott sei dank tun wir das! Aber ist es nicht ein Armutszeugnis, dass wir diese Jahrtausende nachdem Zeus, der alte Schwerenöter, Europa geschwängert hat, noch immer darüber diskutieren müssen?!

Zu Zeus’ Zeiten gab es ja wenigstens noch Göttinnen, also echte, die auch mächtig was zu sagen hatten. Die vollinhaltliche Gleichstellung der Geschlechter ist nicht nur Teil des Weges aus nicht nur dieser Krise.

Der Strand, an dem Zeus den wilden Stier raushängen ließ, liegt an der Südküste von Kreta. Ich werde dorthin fahren. Aber zuerst geht es Montag früh nach Chania, wo ich Stelios, Eleni und George treffen werde.

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30th Mär2012

Eine Münze hat immer zwei Seiten…

by Fabian Eder

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Kreta: Ziegen hört man meckern, weit weg und nah.  

Der Kommentar von Nicole Vlachoyanni von gestern gibt mir zu denken. Ist es tatsächlich so, dass bedingungslose Gastfreundschaft mit dem Zuwachs an Wohlstand abnimmt? Und wenn das so ist, liegt es daran dass die Angst etwas zu verlieren größer wird, weil man einfach mehr (zu verlieren) hat? Oder empfindet man die Notwendigkeit der Gastfreundschaft nicht, weil man selbst glaubt, diese nicht mehr in dem Maße zu benötigen?

Ich kann nicht sagen, ob Nicole recht hat, mir fehlt der Vergleich. Aber einen andern Vergleich kann ich ziehen: In den meisten Cafe’s hier bekommt man ein Glas oder einen Krug Wasser serviert, sobald man sich gesetzt hat – noch bevor man irgendwas bestellt. Das ist mir nicht nur in Kreta aufgefallen. Ist das nicht eine nette Anregung für österreichische und deutsche Gastronomen? Oder gibt man das bei uns nicht her, weil wir viel mehr davon haben?

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“Hüpft auf den Hügeln Kretas rum und fotografiert Blumen! Und nicht genug damit: Er findet das auch noch wichtig!”

Also widme ich mich kurz den harten Fakten. Teil 1:

SO HAT ALLES BEGONNEN

Gr 2euro

Genau so eine Münze habe ich noch in Wien in meinem Hosensack gefunden, als ich mir die “Krise” mal genauer ansehen wollte. Es war tatsächlich (oh Wunder!) eine griechische Münze und ich zeige Euch dieses Bild, weil ich in meinem nächsten Blog etwas genauer darauf eingehen will.

Richi Wagner, den ich Sonntag in Heraklion erwarte, hat diese Momentaufnahme vor wenigen Tagen in Berlin gemacht – harte Fakten, Teil 2:

AthensBerlin

Ich esse Salat. Nein: Ich bade in Salat. Schon in der früh überlege ich, welchen Salat ich zu Mittag essen soll und welchen am Abend. Frühstücksalat…? Obstsalat!

Gestern nachmittag komme ich in ein kleines Dorf und werde Zeuge einer Banküberfall- ähnlichen Situation: Vor mir hält ein Wagen. Der Beifahrer springt heraus, läuft zu einem Zaun, vor dem einige wunderschöne, weiße Lilien blühen. Er schneidet einige davon ab und springt zurück in den Wagen. Eine ältere Frau mit Brille und ausgebeulter Arbeitshose, die die Strasse entlang kommt, läuft zu dem Wagen und zeigt wüst schimpfend auf den wesentlich jüngeren Dieb. Sie stellt sich so vor den Wagen, sodass dieser nicht fliehen kann, schimpft weiter und notiert sich das Kennzeichen. Der Dieb und seine Komplizen sind sichtlich überfordert. Er muss die Lilien zurück lassen, erst dann lässt die Alte ihn fahren.

Die alte Frau legt die Blumen kopfschüttelnd und schimpfend zum Zaun und zieht von dannen. Es waren gar nicht ihre Lilien.

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Ich bin zufrieden. Ein “Tatort” – Krimi, der gut ausgeht, und ich live dabei.

Zivilcourage nenne ich das! Einen Ort, in dem eine alte Frau die Blumen von jemand anderem so verteidigt, als wären es die eigenen Ersparnisse, will ich mir ansehen.

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Vielleicht, denke ich nach meinem Rundgang, hat der vermeintliche Dieb ja nur seiner Frau eine Freude machen wollen und konnte, Opfer der Krise, die Blumen nicht kaufen… – wir werden es nicht erfahren!

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29th Mär2012

Katrin Zita’s GRIECHISCHER SALAT

by Fabian Eder

HEUTE: Ein Interview mit  dem Griechischen Botschafter in Wien, Themistoklis Dimidis 
von Katrin Zita.

Schlagzeilen wie “Jeder 5. Grieche ohne Job” beschrieben Ende 2011 die Arbeitslosigkeit in Griechenland. Wie stellt sich die Situation für die in Österreich lebenden Griechen dar? Können Sie vielleicht Zahlen nennen, wie viele Griechen in Österreich bzw. in Wien leben?

Botschafter Themistoklis Dimidis: In Österreich leben derzeit fast 5.000 Griechen, die Hälfte von ihnen lebt in Wien. Es geht eigentlich um Geschäftsleute, Händler, Wissenschaftler sowie Studenten, die zwar von der Krise nicht betroffen sind, aber mit großem Interesse und Sorge die Entwicklungen in der Heimat verfolgen, da sie Familien und Freunde in Griechenland haben.

Welche Gegebenheiten schätzen Ihre Landsmänner und -frauen an Österreich? Warum lassen sie sich hier gerne nieder?

Botschafter Themistoklis Dimidis: Griechenland und Österreich pflegen ihre traditionell sehr starken bilateralen Beziehungen. Österreich gilt als ein gut organisiertes Land, wo man ein hohes Lebensniveau genießt, was nicht zuletzt viele Griechen anlockt. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert gab es eine wichtige griechische Gemeinde in Österreich, der vor allem Handelsleute, Bankiers und Industrielle angehörten. Heutzutage erwägen viele junge und hochqualifizierte Griechen die Möglichkeit, in Österreich ein neues Leben zu beginnen, was für beide Seiten von großem Nutzen ist.

Schon seit meiner Kindheit ist Ihr Heimatland eines meiner liebsten Urlaubsziele. Vor allem die herzliche Art der Gastfreundschaft ist mir besonders in Erinnerung. Woher kommt es, dass diese in Griechenland so herausragend ausgeprägt ist?

Botschafter Themistoklis Dimidis: Was die griechische Gastfreundschaft betrifft, ist sie ein seit der antiken Zeit stark ausgeprägtes Kennzeichen der Griechen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass der olympische Gott Zeus in der antiken Mythologie auch als „Xenios“ bezeichnet wurde, er war also der Gott der Gastfreundschaft. (auf Griechisch „φιλοξενία „ / filoxenia).

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27th Mär2012

Ein Geschenk wie ein Strauß Blumen…!

by Fabian Eder

André Heller und Harald Krassnitzer unterstützen dieses Projekt!

Das ist für uns ein besonderer Ansporn und kräftiger Wind unter unseren Flügeln!

GRIECHENLAND BLÜHT ist eine Initiative, die ein mediales Gegengewicht zur einseitigen und dauerhaft negativen Wirtschaftsberichterstattung herstellt, die die Bewohner eines Landes kriminalisiert, diskreditiert und ihrer Würde beraubt.

Wir reisen einen Monat lang quer durchs “Krisenland” und suchen die Seele der Menschen, in der die Hoffnung ruht und die ein Recht auf unsere liebevolle Aufmerksamkeit hat.

Der Wert von Menschen darf nicht am Bruttosozialprodukt gemessen werden.

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27th Mär2012

Wo zwei beisammen stehen…

by Fabian Eder

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Ich erinnere mich an eine Vorlesung an der Filmakademie. Der berühmte Filmkritiker Prof. Fritz Walden hat uns den Wandel der Symbolik von Bildern so erklärt: “….es gab eine Zeit, in der war das Bild rauchender Schornsteine ein Symbol für Arbeit und Wohlstand; heute denkt man bei so einem Bild automatisch an Umweltverschmutzung.” Das war in den Achtzigerjahren.

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Wo zwei zusammen stehen, ist keiner von den beiden allein. Kluge Sache.

Nicht nur Griechenland ist noch immer da, wo es sein soll, auch Kreta ist dort, wo es der Pilot erwartet hatte. Ich erkenne Ios und Santorin vom Flugzeug aus. Die Inseln sehen aus, als würden sie schweben, schwerelos in einem All, das nicht schwarz ist, sondern endlos blau.

Keine 12 Minuten dauert der Flug von Ios bis Heraklion, einhundert Seemeilen. Dieses Meer wollen wir durchfahren und es wird viel länger dauern als 12 Minuten.

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Und mehr als zwei sind eine Gruppe….

Meine Anreise ist allen finsteren Gedanken zum trotz völlig planmäßig verlaufen. Ein wenig Übergepäck wurde kulant in Kauf genommen, der Leihwagen von einem lokalen Verleiher stand am Flughafen parat. Das haben deutsche Freunde von uns hier organisiert und es war kein Problem, dass ich erst am nächsten Tag ins Büro gegangen bin, um alle Formalitäten zu regeln. So lieben wir das, dieses “die Dinge nicht so ganz genau nehmen” oder eben “Augenmaß” verwenden. Bei uns würde man es “Dienst am Kunden” nennen?

Agios Nikolaos im Westen der Insel: Der Winter war lang hier, kalt und nass. Dass die Spitzen der Hügel nahe der Stadt an einem Tag sogar angezuckert waren, ist eine kleine Sensation in der beiläufigen Konversation.

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Ich klettere herum, fotografiere Blumen und denke, dass es verdammt notwendig ist Blumen zu fotografieren. Blumen fotografieren ist wichtig.

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Ein Lokal, das La Strada heisst, gewinnt meine Sympathie, dazu reicht bereits der Name.

Nach dem Essen rede ich rede mit dem Besitzer, halb Grieche, halb Italiener, der auch einige Jahre in Kufstein gelebt hat. Die Welt ist ein Dorf, Kufstein mitten drin. Die Hotels, sagt er, und die Restaurants sind zuversichtlich, dass das eine gute Saison wird und er sei es auch.

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“Things have been tight and hard for lots of families. But, honestly, if people believe they are helping the situation by humiliating and throwing the blame on the Greeks, then this is an illusion. Right now Greece needs other countries to help us stand on our own feet and make reasonable changes.” – Ioli, 13 years old.


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26th Mär2012

Gute Nachricht

by Fabian Eder

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Lande in Athen, siehe da: Griechenland ist noch da!

Landing in Athens and–Greece is still there!

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26th Mär2012

Menschen in Bewegung

by Fabian Eder

Reisetag.

Jetzt melde ich mich doch noch einmal aus Wien und leite Euch diesen Link weiter. Es ist ein Bericht über griechische Bauern, die sich nun den Direktverkauf ihrer Lebensmittel organisieren, um, wie sie sagen, die unproportionalen Gewinnmargen der Zwischenhändler zu umgehen. Not macht erfinderisch, meine ich. Und Ihr?

In diesem Sinne möchte ich Euch auch dieses Lied, das mir Silvia Lazzarai geschickt hat, nicht vorenthalten – eine kleine Hymne auf den Frühling:

LIGO AKOMA
Lyrics: Giorgos Seferis
Music: Mikis Theodorakis
First Performance: Maria Farantouri

Just a little longer we shall see
The almond trees blooming

Just a little longer we shall see
the marble shining, shining
under the sun,
and the sea in waves

Just a little more, we must raise ourselves
A little higher, a little higher, a little higher

* Almond Tree – Mandelbaum
* Marble – Marmor

Thanks Silvia!

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24th Mär2012

Ein Fuss vor den anderen…

by Fabian Eder

Kithira

Kithira

Mit diesem Blick auf die Bucht von Kithira verabschiede ich mich aus Wien. Dieses Bild entstand im Sommer.

Am Montag mache ich mich auf den Weg nach Kreta. Die Wettervorhersage ist frühlingshaft und ein Reflex in mir will noch einen Pullover einpacken. Das gestatte ich mir nicht.

Eine andere Sorge von mir ist, dass ich in Athen umsteigen muss. Ganz leise schleicht sich der Gedanke ein, dass mein Gepäck den Weg von einem Flugzeug in das andere nicht finden könnte. Das kann immer passieren. Aber Athen – da ist die Gefahr vielleicht größer als sonst wo? Streiks, Demos?

Ja, das Bild, das die Medien zeichnen, zeigt Wirkung. Aber glücklicherweise gibt es ja noch den Verstand, der die Dinge zurecht rückt!

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“It is sad that most interviews are not taken from people who still feel optimistic about the recovery of Greece. This includes the majority of the population who realise that mistakes have been made and are ready to help their country and compatriots overcome them.” – Odysseas, 13

Ich werde mich von nun an zwar so oft wie möglich, wohl aber nicht mehr täglich hier melden. Dafür gibt’s ab nächster Woche ganz aktuelle Bilder und Gesichten aus Griechenland, ehe unsere Reise quer durchs Land Sonntag in einer Woche beginnt.

Umso mehr freut es mich, dass die Journalistin KATRIN ZITA unser Team jetzt ergänzt und sich immer wieder mit Postings und kleinen Artikeln aus Wien melden wird, in denen sie unter anderem die Stimmungslage bei den in Wien lebenden Griechen einfängt.

Darauf freue ich mich sehr, weil es sich einen interessanten Blickwinkel eröffnen wird, während ich meine Nase in so einer griechischen Frühlingswiese vergraben werde…

Kreta

Kreta

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22nd Mär2012

Von Schlüsseln, Erinnerungsstücken, Griechen und Ängsten.

by Fabian Eder

Delphine im Ionischen Meer

Delphine im Ionischen Meer

Ich werde meinen Schlüssel zu hause lassen. Ich brauche ihn nicht und außerdem: was, wenn ich ihn verliere? Wenn ich meinen Schlüssel in Griechenland verlieren würde, wäre er dann weg? Genau genommen nein. Er wäre nur woanders. Jemand würde ihn aufheben und der hätte ihn dann. Das würde mich zwar trösten, aufsperren könnte ich trotzdem nicht.

Ich werde etwas Persönliches mitnehmen, etwas, was mich mit daheim verbindet. Und zwar etwas zum Angreifen, die Erinnerung allein reicht nicht. Das steht bei der Was-lasse-ich-zu-hause Überlegung nicht zur Diskussion.

Schon lustig, wie wir Menschen ticken, hm? Das rational betrachtet Unwichtigste ist uns am wichtigsten.

Die Fotografin Eleni Veziris schrieb mir vor einigen Tagen in einem Mail:

“…The economical situation for the vast majority of Greeks is tragic. I do not consider my situation as tragic YET…but I live in the fear of it becoming tragic ( I am borderline ‘just getting by’) ..very soon. You have no idea how our media portrays the situation. Every single day the news is filled with doom….YES..we are a complaining bunch.. we also shout a lot and move our hands around a little too much..but after ALL the whining and complaining we find reasons to laugh or make fun of ourselves..sit in the sun, capture the light that feeds our souls..and eat..oh DO we eat!!! Simple food.Vegetables,fish..fruit that we have in plethora thanks to our blessed climate.”

Gemüsehändler in Korfu.

Gemüsehändler in Korfu.

Das Wesen eines Bildes liegt immer auch in dem, was es nicht zeigt.

Sie reden also laut und gestikulieren viel, die Griechen, und sie können über sich selbst lachen. Das ist eine sympathische Eigenschaft.

Die nachhaltigste Griechenland – Erinnerung, die ich habe, ist diese unglaubliche und vorbehaltlose Gastfreundschaft. Sie sind hilfsbereit, haben immer eine offene Tür und an ihrem Tisch ist immer, egal wie voll oder leer er ist, Platz für einen unerwarteten Gast. Diese Eigenschaften sind vor allem eines: zu tiefst christlich.

Angst, stelle ich fest, ist genau dann real, wenn man sie hat.
Sonnenuntergang im Golf von Messenien.

Hier ein Link zu einem Artikel im KURIER, der auf das schon oft besprochene Buch ÜBER DAS UNGLÜCK, EIN GRIECHE ZU SEIN berichtet. – Das Buch gibt’s auf Deutsch, online und im schönen Buchgeschäft.

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22nd Mär2012

Von der Freude am Frühling

by Fabian Eder

Kreta Flowers

Ich bin bei dem Vorhaben mein Gepäck zu reduzieren erstaunlich gut voran gekommen. Wenn man sich einmal auf den Gedanken eingelassen hat, dass es vielleicht genügt, manche Gegenstände nur in einfacher Ausfertigung zu haben, ist das gar nicht so schwer. Der Nebeneffekt: Ich muss nicht so schwer tragen.

Während der Vorbereitungen auf unsere Reise habe ich viel mit Griechen zu tun, mit Menschen, die in Griechenland leben oder die eine besondere persönliche und/oder wirtschaftliche Beziehung zu Griechenland haben. Da höre ich die verschiedensten Ideen und Theorien, wie man aus dem Schlamassel rauskommen kann und woher die Misere kommt. Vor allem aber habe ich große Verzweiflung wahrgenommen.

“Life in Greece has changed dramatically for many people over the last year or so. Everyone has been affected in one way or another, by the loss of a job, unemployment, the reduction of pensions, the increase of taxation. Poor people seem to have been penalised more than the rich, and this is one of the reasons for the protests and violence we see on the news. I think that people in other countries should know that the new generation, to which I belong, considers Greece to have a great future. I think we deserve another chance.” – Alexia, 13, aus Athen.

Die Statements der SchülerInnen berühren mich ganz besonders. In zwei, drei Sätzen erfassen sie große Zusammenhänge und bringen diese in eine persönliche Relation. Was mich zuversichtlich stimmt ist das Selbstbewusstsein ihrer jungen Generation, das sie ganz gerade zum Ausdruck bringt. Das ist die Saat, die in einem Frühling aufgeht. Und es beeindruckt mich, wie sie sich im selben Atemzug von den älteren Generationen, von meiner Generation, abgrenzt. Wie recht sie hat.

Ich reise am Montag erst einmal allein nach Kreta. Ich werde mein Gepäck selbst tragen müssen. Also wird auch das Film- und Tonequipment noch einmal überprüft und die Notwendigkeit jedes Stücks hinterfragt.

Ich muss mit jungen Leuten sprechen, das ist mir klar. Frühling, Blühen – das ist eine Sache der Jugend!

Der Venezianische Leuchtturm von Menthoni

Venezianische Festung und türkischer Leuchtturm von Menthoni 

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21st Mär2012

Reisevorbereitung

by Fabian Eder

Zu aller erst freue ich mich riesig, dass so viele von Euch bei uns “reingeklickt” haben. Super! Ich hoffe Ihr bleibt uns auch den April hindurch treu.

Also packen wir die Seesäcke. Ich dachte immer, dass nur meine Frau mit viel Gepäck reist. Ich habe alles am Boden zusammen gerichtet und weiß jetzt schon, dass das viel zu viel ist. Das wird ausgedünnt, es muss mit weniger auch gehen und zwar mit viel weniger.

Ich bin in Gedanken schon in Griechenland, und wenn ich die Augen schliesse, bilde ich mir ein das Meer zu riechen. Habt Ihr das schon mal probiert? Man muss sich ganz fest konzentrieren. – Ausatmen – Konzentrieren – Einatmen – Ahhhh. Geht doch, oder?

Über eine Freundin kam mir der Kommentar der Autorin Elisabeth Hewson zu Ohren, die über unser Projekt sagt:

“…das Projekt finde ich wirklich g’scheit, denn was man jetzt plötzlich so über das einstige Traumferienland hört und liest ist wirklich eine bodenlose Gemeinheit. Zuerst wird über die Lässigkeit gesungen und geschwärmt, dann plötzlich sind das lauter Tagediebe und Gauner.”

Kamilari Kreta

Dieses Bild hat Bob, Nachbar von Dietmar Dennis vom Niriida Guest House in Kamilari, Kreta, bei einem Spaziergang hinterm Haus gemacht!

Was ist Eure erste Assoziation, wenn Ihr dieses Bild seht? Dass ein Dieb hinter dem Olivenbaum lauert? Oder vielleicht ein Steuerhinterzieher heimlich eine Olive auspresst, mit deren Kern er uns dann attackiert?

Ich für meinen Teil sehe den Schnee und beschliesse die warme Jacke, die ich gerade zu den Dingen sortiert habe, die zuhause bleiben sollen, wieder einzupacken. Wenn der Wind von den Bergen kommt, kann’s schon frisch werden. Augen zu – Konzentrieren – Einatmen – Vorstellen – - Ausatmen: Ahhh.

Ich finde es seltsam, dass ich keine Erinnerung daran habe, wie so eine Wiese riecht. Ich erinnere mich an Lavendel, Jasmin… – an alles mögliche. Aber ich erinnere mich immer nur einen Geruch, und nicht an das Bild, das die verschiedenen Gerüche malen. Irgendwie beschäftigt mich das jetzt: wie erinnern wir Gerüche? Aber es gibt auch komplexe Geruchsbilder aus meiner Kindheit, die mir nun dämmern – die Küche meiner Tauftante, zum Beispiel, unvergesslich.

Da fällt mir noch ein anderes Geruchserlebnis ein: Wenn man mit dem Segelboot reist, wie wir es ja auch vorhaben, wird die Nase gereinigt. Wenn man ein, zwei Tage durchgehend am Meer gesegelt ist und die Nase nicht durch die Abgase eines Verbrennungsmotors gestört wird, dann riecht man, wie einzigartig das Land oder die Insel ist, der man sich nähert. Schon von weitem. Jedes Land, jede Insel hat einen eigenen Geruch!

Ich packe ein Päckchen Papiertaschentücher für den Flug ein. Klimaanlage. Umsteigen in Athen. Man weiss ja nie.

Meine Freundin Barbara hat mich auf einen Blog von Jon Henley im “Guardian” aufmerksam gemacht, der den Titel GREECE ON THE BREADLINE (Griechenland am Existenzminimum) hat. Da hat eine Englischlehrerin in Athen ihre 13 jährigen Schüler gebeten, in einem Brief an einen ausländischen Zeitungsherausgeber zu schreiben, was die Menschen ausserhalb von Griechenland ihrer Meinung nach über ihr Leben wissen sollten.

Ich habe mich entschlossen, die Zitate der 13 jährigen Kinder hier nach und nach wieder zu geben:

“My life and everyday routine is the same, but my parents seem different. They try to hide it, but I’ve heard them talk.” – Mina

Ich denke an meine Tochter. Die Reduktion meines Gepäcks wird noch einige Zeit beanspruchen.

3 Comm
20th Mär2012

20. März 2012, 6:14 CET – Frühlingsbeginn

by Fabian Eder

Und los geht’s!

HERZLICH WILLKOMMEN IM GRIECHISCHEN FRÜHLING ZWEIZWÖLF
Na, da haben wir uns ganz schön was vorgenommen! In einem Monat quer durch Griechenland, zu Land und zu Wasser, durch unsere Köpfe, durch unsere Seelen und in unsere Herzen…

Jeder, der schon einmal in Griechenland war, verbindet damit besondere Erlebnisse. In Erzählungen wurde die Phrase “…das ist halt ‘mein’ Griechenland” oft verwendet. Das hat in letzter Zeit deutlich abgenommen. Aber Griechenland und seine Krise sind längst mehr, als nur ein nationales, griechisches Problem, und längst mehr, als nur eine Finanz- oder Wirtschaftskrise. Natürlich ist diese Krise ganz real, vor allem die Griechen wissen das. Diesen Blick kennen wir. Und zwar nur diesen:

Griechenland = Krise.
Wir suchen das andere Bild, den anderen Blickwinkel, den anderen Standpunkt. Wir stellen Fragen in den globalen Raum, die nicht weggewischt werden dürfen und reiten darauf herum, bis sie beantwortet sind. Aber keine Angst: Das hier wird keine suizidfördernde Anleitung zum Noch-verzweifelter-sein! – Ganz im Gegenteil.

Mitmachen
Wir suchen die Menschen, die Musik, die Natur und die Kunst. Wir suchen positive, aber nicht unkritische Beiträge. Lasst Euch dazu ganz wörtlich zu mir ins Boot holen – schreibt Eure Gedanken und Gefühle in den Kommentaren, teilt sie mit Euren Freunden. Schickt mir, was Euch bewegt – Bilder, Musik, Links und Statements. Ich stelle sie gerne auf den Blog und damit allen anderen, die uns folgen, zur Verfügung.

Dieses Bild hat uns Helen geschickt, die einige Ferienhäuser auf der südlichen Peloponnes betreibt, im Dorf Romanos, etwas nördlich von Pylos. Danke Helen.

Ich habe für dieses Reise keine vorgefertigte Storyline, sondern lade Euch ein, gemeinsam mit mir in das Land der Krise zu taumeln und die Dinge, die wir dabei finden und entdecken in Beziehungen zu einander zu setzten. Wir werden sehen was wir dafür brauchen können, was wir pflegen müssen und was wir wegwerfen wollen.

Die Menschen haben Angst und von der Angst ist es nur ein kleiner Schritt zum Hass. Dem will ich entgegensteuern, und zwar nicht indem ich mir eine rosarote Brille aufsetze und mild grinsend von Insel zu Insel hüpfe, aus dem Alter bin ich leider raus (wie sehr ich das auch genossen habe!). In den nächsten zehn Tagen lasst uns also sozusagen den Seesack packen – mit Fragen, Gefühlen und Meinungen. Am 31. März beginne ich dann aus Kreta tagebuchähnlich von meinen Erlebnissen und Eindrücken zu berichten, werde Euch Bilder und kurze Videos zeigen.

Zur Einstimmung ein kleines Video, das den Geist unseres Projektes beschreibt:

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